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Thomas Witt

Dipl.-Kfm. Thomas Josef WITT
wurde am 2.9.1947 in Bad Reichenhall
geboren. Er besuchte in München das
Oskar von Miller Gymnasium und
studierte Betriebswirtschaft an der
Ludwig Maximilian Universität.



Lehrjahre

Bereits im Jahr 1962 als Schüler begann WITT mit dem Beobachten, Fangen, Züchten und Sammeln paläarktischer Tagfalter (Rhopalocera), Schwärmer (Sphinges) und 'spinnerartiger Nachtfalter' (Bombyces) sensu SEITZ I und II. Zunächst allein sammelte er in der Umgebung von München, alsbald zusammen mit seinem Sammelfreund Peter ZELLER, der mit Mitte 20 bei einem tragischen Unfall in Nepal sein Leben verlor, wurden regelmäßig interessante Biotope im Voralpenland und in den bayerischen Bergen besammelt. Alsbald wurde er Mitglied der Münchner Entomologischen Gesellschaft e.V. und kam so in Kontakt mit zahlreichen Lepidopterologen sowie mit den Mitarbeitern der Zoologischen Staatssammlung in München. Einen großen Teil seiner Freizeit verbrachte er jetzt in der Lepidopterologischen Abteilung dieses Instituts, wo er fasziniert von der Materie als freiwilliger Mitarbeiter seine Arbeitskraft zur Verfügung stellte und so eng mit den damaligen Kustoden Franz DANIEL (1895-1985), Josef WOLFSBERGER, Dr.Wolfgang DIERL, Leo SHELJUZHKO und dem Direktor des Instituts Dr. Walter FORSTER (1910-1986) (Nekrolog siehe WITT 1988) zusammenarbeiten durfte. Auch kam er mit zahlreichen in- und ausländischen Wissenschaftlern, die als Gastforscher temporär im Institut arbeiteten, in Gedankenaustausch. Von 1970 bis 1977 übte er in der Münchner Entomologischen Gesellschaft das Amt des Kassenwartes aus. Ein besonders inniges Schüler-Lehrer-Verhältnis veband ihn mit dem Zygaenidae-Spezialisten Dr.Karl-Heinz WIEGEL, München, und dem Bombyces und Sphinges - Spezialisten Franz DANIEL (Nekrolog siehe WITT 1987a), die ihn beide eng in ihre Arbeit miteinbezogen.


Zielsetzung und Spezialisierung

Die fruchtbare Zusammenarbeit führte dazu, daß DANIEL seine ursprüngliche Absicht, seine Sammlung der Zoologischen Staatssammlung zu vermachen, aufgab und sie stattdessen bereits zu Lebzeiten familienweise an WITT übergab, den er als Nachfolger in seinem Tätigkeitsbereich ansah. WITT definierte somit die Zielsetzung seiner eigenen lepidopterologischen Tätigkeit: Erforschung der Systematik und Taxonomie der "Bombyces et Sphinges sensu SEITZ II" unter synthetischer Betrachtung von Habitus, Morphologie, geographischer Verbreitung, Biologie, Verhaltensweise und weiterer Merkmale dieser Tiergruppe.

Die von SEITZ unter "Bombyces et Sphinges" zusammengefaßten Familien bilden heute keine Einheit mehr, sondern sind unter völlig anderen Oberbegriffen zusammengefaßt. Sie gehören sowohl zu den Macro- als auch Microlepidoptera. Die systematische Anordnung der Familien erfolgte nach FLETCHER & NYE(1975-1984) und umfaßt die folgenden, hier alphabetisch gelistet:
Arctiidae, Axiidae, Brahmaeidae, Bombycidae, Callidulidae, Camptolomidae, Cossidae,Cyclidiidae, Dilobidae, Drepanidae, Endromidae, Epicopeidae, Epiplemidae, Epipyropidae,Eupterotidae, Hepialidae, Heterogynidae, Lasiocampidae, Lemoniidae, Limacodidae, Lymantriidae, Megalopygidae, Nolidae, Notodontidae, Psychidae, Saturniidae, Sesiidae, Sphingidae, Syntomidae, Thaumetopoeidae, Thyatiridae, Thyretidae, Thyrididae, Uranidae, Zygaenidae.

So begann WITT nun systematisch die Literatur im Hinblick auf diese Lepidopterenfamilien durchzuarbeiten und eine Artenkartei anzulegen. DANIEL hatte die Literatur seit Erscheinen des SEITZ-Supplementbandes 1933 systematisch verfolgt und in seiner Kartei erfaßt. WITT übernahm diese Kartei und gestaltete sie in Form der von WIEGEL entwickelten Autorsymbolmethode (WIEGEL 1969, Nachrichtenblatt d. Bayerischen Entomologen 18:106-112) als Basis für seine Artenkartei um. Ab 1972, dem Jahr in dem DANIEL aus Altersgründen seine Forschungstätigkeit einstellte und seine Sammlung an WITT übergab, führte letzterer bis heute die Literaturauswertung alleine fort. Die Erfassung erfolgt konsequent nach der Autorsymbolmethode und wird seit 1993 durch ein speziell dafür entwickeltes Computerprogramm unterstützt. Es ist davon auszugehen, daß die Literatur ab 1933 bis heute für die genannten Lepidopterenfamilien insgesamt und rückwirkend wesentlich systematisch erfaßt wurde.

Die Systematik und damit korrespondierend die Anordnung der Arten in der Sammlung ergab sich ursprünglich aus dem Werk von SEITZ. Sie wurde im Laufe der Jahrzehnte laufend den sich durch neue Erkenntnisse ständig ändernden systematischen Verhältnissen angepasst. Bei jeder veröffentlichten systematischen Veränderung in einer Einzelpublikation, Revision, Monographie oder einem Katalog wurde und wird das Sammlungsmaterial neu überprüft und gegebenenfalls umgesteckt.


Der Kenntnisstand des Forschungsobjektes zum gegenwärtigen Zeitpunkt

Das Ergebnis dieser Tätigkeit erschöpft sich daher nicht in einer einfachen Lepidopteren-Sammlung, die durch ein Inhaltsverzeichnis dem Benutzer erschlossen wird. Das Ergebnis ist vielmehr eine Dokumentation der Kenntnis dieser Lepidopterenfamilien zum gegenwärtigen Zeitpunkt, die aus zwei Komponenten besteht:

der Sammlung von Lepidoptera-Präparaten, die konservatorisch betreut werden muß und ständig durch Neueingänge ergänzt wird. Verschiedene computergeführte Verzeichnisse dienen der Erschließung des Sammlungsbestandes:
  • Verzeichnis der Genitalpräparate: Getrennt nach den Ordnungen Rhopalocera und Heterocera werden ca.10.000 mikroskopische Präparate in 3 Schränken .nach den Kriterien: Laufende Präparatenummer - Art bzw.Determination - Fundort - Ersteller - vom Ersteller vergebene Nummer - verwaltet.

  • Verzeichnis der Alkoholpräparate nach den Kriterien: Laufende Präparatenummer - Art bzw.Determination - Fundort - Sammler

  • Verzeichnis der Sackpräparate nach den Kriterien:Laufende Präparatenummer - Art bzw.Determination - Fundort - Sammler

  • Typenverzeichnis nach den Kriterien:Ordnung - Familiennummer - Familie - Gattung - Art bzw.Unterart - Holotypus, Lectotypus, Neotypus - Paratypen, Cotypen,Syntypen

  • Leihverkehr

der korrespondierenden Datenbankbestehend aus Literaturzitaten und einer Fülle von publizierten Einzeldaten und unpublizierten Beobachtungen, morphologischen Untersuchungen, Fotos und handschriftlichen Aufzeichnungen in Form einer als computerunterstützten Loseblattsammlung geführten Kartei, die mittels der Autorsymbolmethode mit dem Bibliotheksbestand verknüpft ist und laufend aktualisiert wird:
  • Beschaffung der relevanten Literatur in Form von Zeitschriften, Periodica, Buchreihen, Einzel-publikationen, Sonderdrucken oder Kopien

  • Auswertung und Eingabe in die computergeführte Datenbank

  • Anlage der Autorenkartei in Form einer Loseblattsammlung in der jede Veröffentlichung nebst ihren Bibliothekssignaturen auf einem eigenen Blatt erfasst ist

  • Anlage der Artenkartei in Form einer Loseblattsammlung in der jedes Taxon auf einem eigenen Blatt erfasst ist

  • Verknüpfung durch Eintrag der Informationen auf das Artblatt mittels Autorsymbol

  • Ergänzung des Artblattes durch eigene Beobachtungen, Gesprächsnotizen, Fotos u.a.

  • Anordnung und ständige Anpassung der Artblätter zur aktuellen Systematik soweit möglich

Der Stand der Kenntnis ist bei den einzelnen Familien, und da innerhalb der Gattungen natürlich völlig unterschiedlich. Bemerkungen darüber sowie über laufende oder geplante Forschungs-projekte, Aktivitäten korrespondierender Wissenschaftler und weitere finden sich jeweils in den einleitenden Kapiteln zu den einzelnen Familien.


Geographische Abgrenzung

Hatte DANIEL sich noch auf das palaearktische Faunengebiet beschränkt und die orientalische Fauna nur ansatzweise berücksichtigt, so bezog WITT nun dieses Gebiet mit ein und berücksichtigte auch die Nearktis. Um wenigstens ansatzweise einen Einblick in die Fauna des südamerikanischen und afrikanischen Kontinents zu gewinnen wurde seit Beginn der 90er Jahre begonnen Material aus diesen Gebieten zu sammeln.

Diese historisch entstandene geographische Begrenzung steht natürlich der systematischen Erforschung und dem Verständnis der Familien als Hindernis im Weg. Sphingidae und Hepialidae werden seit langer Zeit weltweit gesammelt, und in allen Familien gibt es Gruppen oder Gattungen, bei denen bereits im Ansatz der Schritt zur Dokumentation der Gesamtverbreitung getan wurde, so z.B. Gattung Utetheisa HÜBNER (Arctiidae), Phyllodesma HÜBNER (Lasiocampidae) und Furcula LAMARCK (Notodontidae). Die weitere geographische Ausweitung ist auf jeden Fall als langfristige Zielsetzung anzusehen.

Das Südamerika-Material hat inzwischen einen erheblichen Umfang angenommen, so dass ein eigenes Forschungsprojekt "Südamerika" daraus entstanden ist.

Auch das Afrika-Material hat einen beträchtlichen Zuwachs erfahren, Schwerpunkt bilden Ausbeuten aus dem Congo, aus Namibia, Kenya, Tanzania, Südafrika und Madagaskar. Die Ausbeuten des Saharareisenden Lepidopterologen Harald Sulak aus Mauretanien und Mali schließen die Lücken in der Kenntnis der Nord-Süd-Zusammenhänge der Verbreitung im Westen so wie die Lichtfallenergebnisse der Aufsammlungen von Dr.G. Mülleraus dem östlichen Randgebiet Ägyptens bis an die Grenze des Sudan neue Erkenntnisse brachten.

Zusammenarbeit mit Spezialisten

Die Bearbeitung dieser großen Zahl sehr heterogener Lepidopterenfamilien ist in der Form, wie sie von DANIEL noch praktiziert wurde, heute nicht mehr möglich. Zu komplex sind die Problemstellungen und die Methodik bei den einzelnen Familien, zu umfangreich wurde die Flut neuer Publikationen als daß ein einzelner Mensch auch nur annähernd alle bearbeiten kann. Bei der Aufbereitung der immensen Neueingänge an Material aus den Expeditionen vergeht kein Arbeitstag, an dem nicht ein Neufund für ein Faunengebiet, ein bisher unbekanntes Geschlecht einer Art, eine neue Population die es verdient als Unterart abgetrennt zu werden oder eine neu zu beschreibende Art entdeckt werden oder Informationen gewonnen werden die ergänzende Bausteine zu Problemstellungen darstellen, an denen Kollegen arbeiten die darüber informiert werden müssen. Und immer wieder kommt es vor, daß in der Literatur eine neue Art nach wenigen Tieren beschrieben wird und es sich dann herausstellt daß davon umfangreiche Serien aus verschiedenen Regionen vorhanden sind, deren Studium die Beschreibung in vieler Hinsicht ergänzt und bereichert hätte.

So suchte und sucht WITT stets den Kontakt zu Lepidopterologen, die sich auf eine Familie oder Einheit der in seiner Zielsetzung angeführten und somit im Museum betreuten Familien spezialisiert haben. Der Lauf der Jahre brachte die Begegnung mit einer Reihe qualifizierter Spezialisten, die für die Bearbeitung des in manchen Familien immensen neu eingegangenen Materials gewonnen werden konnten. Eine regelmäßige Zusammenarbeit, Erfahrungsaustausch, und gegebenen Falles Konautorschaft bei Publikationen kennzeichnen solche Kollegen, die als "Korrespondierende Wissenschaftler" des Museums geführt und hier vorgestellt werden.


Eigene Veröffentlichungen

Dementsprechend sind auch die Publikationen von WITT (siehe Autobibliographie) nicht durch Spezialisierung gekennzeichnet, sondern beschäftigen sich breitgefächert mit Erkenntnissen in den verschiedenen Familien oder beinhalten den Versuch der zusammenfassenden Darstellung. Dabei sei auf folgende Projekte hingewiesen, die es verdienen gesondert erwähnt zu werden: die inzwischen abgeschlossene Buchreihe "Die Bombyces et Sphinges der Westpaläarktis", die Reihe "Moths of Vietnam with special reference to Mt.Fan-si-pan"sowie die Publikationen im Rahmen der Erforschung der "Insekten Israels".
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